Silikon, außen getragen


Was unterscheidet eine Tivi [1] nachhaltig von einer Bio-Frau? Klar, die äußeren primären (= die „zwischendenbeinenbefindlichen“ ;-)) und sekundären Geschlechtsmerkmale. Die primären sind für Rock- und Kleidträgerinnen das kleinere Problem, denn ein ausgebeultes Damenhöschen darunter sieht man nicht.  Sollte ich mich mal wieder „en femme“ auf einen Badestrand wagen, dann wird das Bikinihöschen einfach mit einem Pareo bedeckt (zu kostümtechnisch aufwändigeren Tricks möchte ich lieber nicht greifen).

Alles andere ist also primär, um das legendäre Zitat eines bekannten Ballesterers zu variieren. Primär ist also das Sekundäre (als Geschlechtsmerkmal), ist der Busen, ist die Brust, sind die Brüste.

Wie macht das eine Tivi mit einem von Natur aus nur ganz leichten Brustansatz (1/2 Körbchengröße A) also? Wie zeigt sie einen schönen Busen? Es gibt 3 Möglichkeiten:

  1. die radikale: gegengeschlechtliche (illegale, selbstgestrickte) Hormonbehandlung oder Silikonimplantate. Erstere ist langwierig, das Ergebnis im Erwachsenenalter unsicher und überhaupt nur was für Gesundheitshasardeurinnen (Finger weg!), zweitere sind legal bei einem plastischen Chirurgen ihrer Wahl gegen teures Geld zu haben. Gemeinsam ist beiden, dass sie ein Leben als Mann zumindest beeinträchtigen, für eine Switcherin daher eher nicht geeignet sind.
  2. die puristische: man begnügt sich mit seiner natürlichen, ganz bescheidenen Oberweite. Man steht zu dem was man ist, denn Schönheit kommt von innen. Ästhetisch vermag das nicht immer zu befriedigen, und das Passing wird natürlich auch nicht besser.
  3. die theatralische: Kostümtricks, Push-ups, Form- und Körperergänzungsteile, also alles, was die Tivi irgendwie ein bisserl zur Diva macht, sie aber auch mit Künstlichkeit „segnen“ kann.

Tanja praktiziert also Nummer 3 und hat sich für Brüste in bescheidener Körbchengröße B entschieden, BH-Größe 85-B, das ist eine verbreitete, handelsübliche Größe. Die fehlenden rund 10 cm zwischen natürlicher Oberweite und der laut Körbchengröße müssen also gefüllt werden. Für solche Zwecke gibt es im einschlägigen Handel (es gibt inzwischen eine Reihe von auf Tivis spezialisierten Webshops) natürlich Brustimitate in jeder Größe, Form und Preisklasse, von der Elfe bis zur „Walküre in 95-E“.

„Unfug“, habe ich mir gesagt, „wozu etwas künstlich „echt“ Aussehendes, wenn du nicht oben ohne herumlaufen willst?“ Also verwende ich schon seit Jahren selbsthaftende, hautfarbene  Silikon-BHs unter dem „normalen“ BH aus Spitze, Stoff und Draht. Die sind im Grunde das gleiche wie einschlägige Versandartikel, nur ohne imitierte Brustwarzen und mit weniger Farbdekoration.

Das Konzept ist in der Theorie genial: der „Silikon Bra“ (gab es jedenfalls früher von p2/Bipa) besteht aus zwei weichen, ideal geformten Haftschalen (Push-up-Effekt von etwa einer Körbchengröße), die entspannt über den Brustwarzen auf die Haut gelegt und festgedrückt werden. Durch den selbsthaftenden Belag auf der Innenseite sollten sie eigentlich (wenn trocken, sauber und fusselfrei) viele Male von selbst kleben und halten. Durch ein Gummibändchen mit Schnalle werden sie dann „französisch“ (vorne) zusammengehakt, wodurch sich im Idealfall ein hübsches Dekolleté im Ausschnitt des Kleides oder Tops formt. Ein passender BH darüber kaschiert, stützt und formt noch zusätzlich (und nimmt die Spannung etwas von besagtem Bändchen).

So sieht das, richtig „montiert und verpackt“ :-), in ganzer Pracht aus  (Foto von 2007):

Leider ist das nur die Theorie. Das Ding fühlt sich aus meiner Sicht zwar fein an, wie ein außen getragenes, weiches Silikonkissen, das Hautbewegungen mitmacht und das ich samt Gewicht als recht natürlich empfinde. Leider übertreibt der Hersteller aber offenkundig bei der Klebe- und Haltekraft (und bisher haben alle angebotenen, vergleichbaren Produkte auf Fotos praktisch identisch ausgesehen, sodass ich vermute, dass ein und dasselbe nur unter verschiedenen Bezeichnungen verkauft wird). Das Problem ist die Schweißabsonderung, die die Adhäsionskraft bei mir innerhalb von längstens ein bis zwei Stunden, je nach Außentemperatur und Intensität der körperlichen Bewegungen, von innen her zunichte macht. Dann beginnt der Silikon-BH zu rutschen, die Spannung ist weg, das Dekolleté wird flacher, und die „Außen-Implantate“ folgen nicht mehr den Bewegungen von Haut und Pektoralmuskeln, sondern verkümmern zu bloßen Push-up-Einlagen im BH.

Ein heute morgen gemachter Selbstversuch in Männerkleidung brachte ein ernüchterndes Ergebnis: Ohne zusätzlichen BH getragen, hielt sich der Silikon-BH bei gut 12° C Außentemperatur gerade einmal eine dreiviertel Stunde (und 3 Kilometer Radlfahren) unter Hemd und Sakko auf der Haut, bevor er sich Richtung Bauch auf den Weg machte. 😦

Ob’s da doch irgendeinen Trick gibt?

[1] Einige Begriffe, die nicht zum allgemeinen Sprachgebrauch gehören, werden auf der Spezialseite „Trans…wie? (mittelgroßes TG-Glossar)“ erklärt

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Published in: on 18. April 2011 at 14:11  Comments (1)  
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One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. Liebe Tanja, danke für Deine Nachricht in Ero-For und ganz besonderen Dank für diesen Link.
    Ich find das Aussehen ist nicht das Wichtigste, sondern welche Reize und Empfindungen man/frau mit diesem sekundären Geschlechtsmerkmal (ohne künstliches Zubehör) bei anderen wecken und an sich selbst spüren kann.
    Alles Gute und vieles Liebe
    Deine betra


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