Der schwarze Strohhut und das Bild der Wirklichkeit


Vorgestern, am Karsamstag, war ich auf der Mariahilferstraße. Und ich habe etwas gemacht, was ich mir schon einige Zeit wünsche: ich habe mir einen Damenhut gekauft. Ich bin in ein Hutgeschäft spaziert und habe, teils allein, teils assistiert von einer sehr netten Verkäuferin, sommerliche Strohhüte anprobiert. Schließlich habe ich mich in einen verliebt und ihn dann auch gekauft, einen schwarzen, nicht zu breitkrempigen, mit einer Blumendekoration aus Draht und Strass. Der war gar nicht billig, er hat im Vergleich mehr gekostet als später drei Paar Pumps und Sandalen aus dem Angebot einer Billigschuhkette zusammen.

Jetzt weiß ich nicht, wie dieser Hut mein Erscheinungsbild verändert. Klar ist, dass ich in dem schwarzen Hosenkleid (übrigens gar nicht so einfach, darin aufs Klo zu gehen! ;-)) mit Brille, roter Chinajacke, blonder Kurzhaarfrisur und Hut eine andere Tanja war als die „Schlampe“ unlängst auf dem Konzert. Ich glaube, ich habe das damenhafte Styling vielleicht sogar übertrieben. Auf den beiden Fotos, die am Abend von mir gemacht worden sind (leider Handyaufnahmen und nicht gut genug für eine Veröffentlichung), schaue ich eine Spur zu sehr nach der netten, nicht mehr ganz jungen Tante aus, die beim Frisör die Klatschblätter liest und davon träumt, von der Queen in die königliche Loge beim Galopprennen in Ascot eingeladen zu werden.

Ob das Foto, das ja auch nur eine eingefrorene Momentaufnahme der „alten Tante“ ist, nun „ehrlicher“ ist als mein Spiegelbild, das einen differenzierten, weil beweglichen Eindruck mit mehr Energie und Lebensfreude hinterlassen hat? Meine liebste Freundin Sandra, eine gute Hobbyfotografin mit sicherem Blick für alles Visuelle, mit der ich mich unlängst über diese Frage unterhalten habe, plädierte für das Foto als das „wirklichere“ Bild der Wirklichkeit. Weil es „richtig herum“, nicht spiegelverkehrt, sei und uns so zeige, wie uns andere Menschen sehen würden. Aber bin ich als Tivi nicht ohnehin „falsch herum“, sodass mich der Spiegel eigentlich, metaphorisch gesprochen, eher „entlarven“ müsste als das Lichtbild?

Allen Zweifeln zum Trotz werde ich den Hut im Sommer sicher öfters tragen. Weil ich ihn mag. Weil ich spüre, dass er irgendwie zu mir gehört. Als ob er vom Regal herunter „kauf mich!“ geschrien hätte. Und weil ich die Hoffnung nicht ganz aufgeben möchte, irgendwann doch zum Hofknicks in Ascot vorgelassen zu werden. 😉

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Published in: on 25. April 2011 at 10:03  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Freu mich schon drauf Dich mit diesem guten Stück sehen zu dürfen! Schmatz!

  2. liebe Tanja,
    ich gehe liebend gerne mit dir shoppen … nein meine Liebe, du hast nichts vergessen … aber du schreibst stets so lebhaft, dass ich immer das gefühl habe, dich zu begleiten … und immer ist es etwas besonderes … deine erlebnisse, aber auch deine accecoires, die du beim shoppen erwirbst, entsprechen niemals der vielfrequentierten norm … ich liebe es, wenn was andersartig ist … und noch mehr liebe ich es, wenn jemand damit total offen umgehen kann, ohne sich selbst oder irgendwas zu verstecken

    ich hab eine riesen hochachtung vor dir (und deinen freundinnen) … wenn ich eure geschichten, euer leben mitverfolge hab ich immer ein klein bisschen das gefühl, aus meinem so stinknormalen leben, wenn auch nur kurzfristig, auszubrechen … ich danke dir für all die farben, die ich durch dich immer wieder sehen darf … mach bitte weiter so und bleib dem deinen immer treu

    und WENN du mal in ascot einen hofknicks machst, dann hoff ich doch, dass die kamera dabei ist 😉
    dickes busserl, andrea


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