Die Bankiers


Andreas Treichl ist Bankier. Damit gehört er nicht gerade zum derzeit beliebtesten Stand in dieser Republik. Als Vorstandsvorsitzender der Erste Group Bank AG müssen wir uns wechselseitig vertrauen, denn mir gehören 105 Stammaktien dieser Finanzholding.

Begonnen hat es damit, dass sich der Aufsichtsrat der Erste Group kürzlich durch Beschluss der Hauptversammlung eine saftige Erhöhung seiner Tantiemen – die wurden gleich verdoppelt! – gegönnt hat. Soll sein, in der Bilanz der Bank ist das auch nur die soundsovielte Stelle hinterm Komma, und ein fähiger Aufsichtsrat ist auch etwas wert. Aber der Eindruck von Ungeniertheit und Raffgier, den das hinterlässt, spricht dafür, dass man die Öffentlichkeitswirkung dieses Schritts grob falsch kalkuliert hat.

Dann zog der Herr Vorstandsvorsitzende, kaum gab es die ersten empörten Kommentare aus Politikerkreisen über die Gier von Banken und Bankiers, am letzten Freitag blank vom Leder und teilte Hiebe aus: „Unsere Politiker sind zu blöd und zu feig“, wui, das hat aber gesessen!

Herr Treichl hält sich also streng an die vorgegebene populistische Hackordnung: Ober sticht Unter, zweitunbeliebteste Spezies (Bankiers) sticht unbeliebteste Spezies (Politiker).

Nun kann man über den Anlass von Treichls Tirade (die Kapital-Deckungsregeln für Investments und Kredite im Bankgeschäft nach den so genannten Basel-III-Kriterien) durchaus trefflich streiten. Und es stimmt natürlich auch, worauf der Leitartikler der „Presse“ nachdrücklich hinweist: dass jene Milliarden an Partizipationskapital, die der Staat den Banken am Höhepunkt der Finanzkrise geborgt hat, nämlich auch ordentlich verzinst werden.

Was letzterer aber nicht dazu sagt, was auch Menschen wie Andreas Treichl gerne vergessen oder verdrängen, ist, dass zum damaligen Zeitpunkt niemand außer Staaten und Regierungen den Banken Geld gegeben hätte. Damals wären auch im Grunde seriöse und solide Institute wie die Erste Bank von der Stampede der Anleger und Sparer mitgerissen worden, wenn die öffentliche Hand nicht die Geldspritze gezückt und durch die Injektion die Lage beruhigt hätte. Ja, genau, die Leute, die „zu blöd und zu feig“ sind!

Und der Herr Vorstandsvorsitzende sollte auch nicht so tun, als wäre seine Branche der hilflose Spielball einer Bande von hirnamputierten Polit-Riesenbabys. Banken und Bankiers gelten als eine weltweit, aller Konkurrenz zum Trotze, wohlorganisierte Gemeinschaft, deren Lobbyisten und Spin-Doktoren routiniert an den Rädern und Schrauben der Macht wie der öffentlichen Meinung zu drehen wissen. „Die Banken“ haben an Basel III genauso mitgeschrieben wie „die Politiker“.

Der Zorn eines Bankiers, er bewegt seither Österreich. Andreas Treichl soll übrigens als Vorstandsvorsitzender im Jahr 2010, einschließlich Bonuszahlungen, 2,79 Millionen Euro verdient haben (Quelle: Bericht im „Kurier“ vom 13. Mai 2011). Womit er seine Gage gegenüber 2009 fast verdoppelt hätte.

Für so viel Geld kann man schon angesichts der einen oder anderen „falschen“ Politiker-Entscheidung klug den Mund halten, nicht in die Hand beißen, die einen gefüttert hat, und die einschlägigen Lobbyisten ihren Job erledigen lassen. Und darüber nachdenken, dass in den finanziellen Dimensionen einer Großbank eigentlich jede Entscheidung auch bereits irgendwie „politisch“ ist….

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Published in: on 17. Mai 2011 at 23:42  Schreibe einen Kommentar  
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