unerwiderte Liebe


Sie ist etwas Grauenhaftes. Ist sie überhaupt Liebe? Kann Liebe etwas Einseitiges sein? Oder ist das bloß Verliebtheit, ist es sinnlose Sehnsucht?

Und wann ist Liebe überhaupt „erwiderte Liebe“? Wenn der geliebte Mensch zu einer sexuellen Begegnung bereit war? Wenn er sich verbal deklariert hat („Ich liebe dich!“ Ich dich auch!“)? Wenn er einem einfach in die Augen schaut, und man ein Einverständnis, ein seelisches Berühren verspürt – oder dies zumindest glaubt? Wenn er sein Leben mit dir teilen möchte?

Ganz besonders tückisch ist die Spielart der (Selbst-) Täuschung. Man begegnet jemandem. Man spürt Sympathie und erotische Anziehung. Man meint Liebe oder doch zumindest den ersten Zauber von Verliebtheit zu spüren. Und dann kommt die Frage: „Täusche ich mich?“ Und man bleibt stumm und starr. Man verliert sich in (Tag-) Träumen von dem oder der anderen. Und es kommt vielleicht eine zweite Begegnung, eine zweite Chance, bei der ist vom ersten Zauber nichts oder nur mehr viel weniger zu spüren. Und man fragt sich, bis an sein Lebensende vielleicht: „Habe ich mich getäuscht, oder habe ich bloß nicht schnell genug reagiert und damit alles zerstört?“

Wenn es wirklich Liebe ist – ein ganz großes und mächtiges Ding, wie man sagt, eine „Himmelsmacht“ -, müsste sie dann als Gefühl nicht ein wenig stabiler, weniger zweifelsbeladen und nicht so zerbrechlich sein? Wenn man das als Maßstab anlegt, kenne ich so etwas wie Liebe gar nicht.

Erschwerend kann hinzukommen, dass es sich um ein homosexuelles Gefühl handelt, der andere Mensch also dem eigenen (genetischen) Geschlecht angehört. Hier muss man überhaupt erst ein sicheres Gefühl für seine oder ihre sexuelle Orientierung haben, bevor man eine Geste auch nur in Erwägung zieht. Sonst könnte das fatale soziale Folgen haben. Denn insbesondere Hetero-Männer empfinden es oft als die ultimative Beleidigung, für schwul gehalten zu werden. Wohl nicht zuletzt deswegen bewegen sich homosexuelle Menschen so gerne in einer „Szene“ unter ihresgleichen.

Ist man sich dann sicher, dass das eigene Gefühl unerwidert bleibt, wie geht man damit um? Wie zieht man einen emotionalen Schlussstrich und kehrt in die Nüchternheit des sozialen Alltags, zu Freundschaft oder Kollegenschaft zurück? Geht das überhaupt? Oder bekommt man so nur statt der Leidenschaft wortwörtlich etwas, das „Leiden schafft“?

Ist Liebe als Gefühl nun eine Himmelsmacht oder bloß ein Wegweiser, der uns zu einer Chance leitet?

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