Boboville geht kaputt (nur in einem Albtraum!)


Ich träume nur sehr selten.

Das heißt: Ich kann mich nur sehr selten an Träume erinnern. Vielleicht an einen in einem Vierteljahr.

In der Nacht von Sonntag auf Montag habe ich sehr lange und intensiv geträumt. In meiner Erinnerung war es wie ein Filmszenario, durch das ich mich bewegt habe.

Das Szenario eines Katastrophenfilms, ein Albtraum.

Ich war in Wien während eines 9/11-artigen Selbstmordanschlags. Islamische Fundamentalisten haben eine saudiarabische Boeing 747 entführt und auf Wien stürzen lassen. Seltsamerweise sah der Jumbo farblich (hellblau-weiß) fast mehr aus wie die Airforce One, das Regierungsflugzeug des US-Präsidenten. Aber egal, ich konnte von der Ferne aus sehen, wie das Ding über Wien in den Himmel stieg, ein Looping versuchte und dann abgeschmiert ist. Vielleicht wollten die Terroristen ja das Parlament treffen, verwüstet haben sie Neubau und den Spittelberg, bis hinunter zum Volkstheater, von dem gerade noch die Frontfassade stehengeblieben ist.

Kurz darauf erlebte ich am Laaerberg, etwa am Hang zwischen dem Böhmischen Prater und der Ostbahn, eine Versammlung der radikalen Moslems. Man hatte ein großes Kreuz oder eine Statue, die dort gestanden war (vielleicht so etwas wie der große Jesus Christus auf dem Corcovado in Rio, nein, mehr das metallene Papstkreuz im Donaupark), niedergerissen, und jetzt bemühte sich ein Prediger, irgendein Mufti oder so, um Unterstützung für die Attentäter. Er fand aber kaum Resonanz, die meisten wandten sich ab.

Überhaupt blieb die Stadt eigenartig ruhig, eiskalt fast. Keine Massenpanik, wie man sie von den Bildern aus New York 2001 kennt. Es war, als hätten die Menschen entschieden, dass dieser ganze gewaltige Terroranschlag sie nichts anginge. Ich wartete auf Ankündigungen, wegen der Katastrophe werde der U-Bahnverkehr eingestellt oder würden ganze Stadtteile evakuiert. Nichts dergleichen geschah. Als ich Zufallsbekannte darauf aufmerksam machen wollte, dass keine Flugzeuge mehr über Wien flögen, tauchte prompt eine Maschine mit Kurs auf den Flughafen in Schwechat am Himmel auf.

Ich unternahm dann eine scheinbar ziellose Rundreise durch Wien. Ich war in einer Gemeindebausiedlung am nördlichen Stadtrand, die mich entfernt an die Gegend erinnert hat, in der ich meine Kindheit und Jugend verbracht habe. Alles ruhig, wie an einem verschnarchten Sonntagnachmittag, kaum jemand auf den Straßen. Schließlich habe ich mich mit der U-Bahn dem Katastrophengebiet genähert. Ich bin bis in die hinteren Trakte des Museumsquartiers vorgedrungen, wo es schon etwas aussah, wie nach einem Bombenangriff (eingestürzte Gebäudeteile, Rauch), aber ich konnte, bis auf die eingestürzten Häuserzeilen zwischen Burggasse und Neustiftgasse hinter dem Volkstheater, keinen Blick auf apokalyptische Szenen werfen. Es war, als würden bereits die Trümmer weggeräumt, um mit dem Wiederaufbau beginnen zu können. Von Toten, Verletzten oder anderen Opfern war überhaupt nicht die Rede, es wurde, glaube ich, hingegen schon diskutiert, ob man das Volkstheater rekonstruieren oder modern wiederaufbauen sollte.

Dann bin ich irgendwann aufgewacht. Subjektiv hatte der Traum fast Spielfilmlänge (ich weiß natürlich, dass Träume in Echtzeit meist nur wenige Minuten, manchmal auch nur Sekunden dauern).

Deuten kann ich mir diesen Traum bisher nicht. Das alles war dicht und real, gleichzeitig aber natürlich auch absurd. Die Traumhandlung ist immer noch präsent, sie hat sich tief eingeprägt (andere Träume vergesse ich binnen weniger Minuten nach dem Aufwachen). Ich hatte keine Mühe, alles erst jetzt, fast 48 Stunden später, aufzuschreiben.  Ich hoffe inständig, dass es keine Warnung, kein böses Omen war! Aber eine Ader für das Übersinnliche und Übernatürliche oder gar ein prophetisches Talent habe ich noch nie an mir bemerkt.

Also wird es wohl im Sinne der Lehre Freuds von der Traumdeutung eine gut maskierte, wohlverklausulierte Botschaft aus meinem Inneren gewesen sein. Ich assoziiere bisher nur ein Gegensatzpaar: „extreme physische Gewalt“ contra „extreme psychische Gelassenheit“ – oder war es mehr eine Form von Erstarrung?

Weiters fällt mir auf, dass ich während des ganzen Traumes ein Mann war. Aber ich war vielleicht nicht nur ich sondern auch ganz Wien. Und der Spittelberg, der Sehnsuchts- und Fluchtpunkt der „Bobos“, der bourgeoisen Bohemiens, das falteresk-sprichwörtlich gewordene „Boboville“ ((c) Andrea Maria Dusl), geht also drauf. Dazu fällt mir nichts ein.

Dieser Traum hat mich erschreckt. Meine Sorge ist, dass er Ausdruck einer tief in mir drin verborgenen Aggression sein könnte, die da brodelt. Ich werde wohl noch einige Tage darüber grübeln!

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