So verlangt’s die Disziplin…..


Sommerlochthema „Die Töchter in der Bundeshymne“.

Kurzfassung: Ich bin natürlich dafür.

Langfassung: Die ÖVP blamiert sich öffentlich schwer, als ihre Nationalratsabgeordneten durch das in Österreich selten gebrauchte Instrument der Filibusterrede einen Initiativantrag ihrer aus dem Nationalrat ausscheidenden Kollegin Maria Rauch-Kallat zur Änderung des Textes der Bundeshymne verhindern.

Ein Skandal, konservative Machos machen eine mutige Frau und ihr feministisches Anliegen nieder!

Schmafu, wer meint, bei dieser Sache wäre es um den Text der Bundeshymne und die textliche Gleichberechtigung von „Töchtern“ und „Söhnen“ gegangen, zielt meterweit am Punkt vorbei!

Karlheinz Kopf, dem Klubobmann der Volkspartei, war sicher nicht ganz wohl in seiner Haut, als er das „Filibustern“ befohlen hat. Aber der Klub- oder Fraktionschef heißt im Englischen nicht umsonst „(Chief-)Whip“, die Peitsche, der Einpeitscher (der Partei nämlich).

Hier ging es um Disziplin, und nirgendwo in der Politik ist diese so streng wie in den Reihen der „Droidenarmee“, über die SPÖ, FPÖ und ÖVP in den österreichischen Parlamenten gebieten (doch auch bei den Grünen wäre der Fernsteuerchip im Abgeordnetenhirn im Zweifel aktivierbar, wie man in Wien derzeit beobachten kann).

Herr Kopf und sein Parteichef durften im Interesse des Zusammenhalts der angezählten Volkspartei den Präzedenzfall nicht dulden, dass eine Abgeordnete – und sei es eine ihren Abschied nehmende verdiente Veteranin wie Rauch-Kallat! – aus der Reihe tanzt und ohne Befehl der Parteispitze aktiv wird.

Daher wurde ein Exempel statuiert und die Initiative brutal niedergeknüppelt. Die schlechte Presse dafür hat man achselzuckend in Kauf genommen. Ging halt nicht anders! Hauptsache, die übrigen Schweine am Trog wissen jetzt wieder, dass sie zu fressen, Geschäftigkeit vorzutäuschen und auf Kommando unisono „Ja“ oder „Nein“ zu grunzen haben!

Und dieses System, in dem man eigentlich die Abgeordneten problemlos durch Stimmrechte ersetzen könnte, die auf einer Chipkarte des Parteiobmanns gespeichert sind, wird weiter funktionieren. So lange, bis ein Persönlichkeitswahlrecht den Schwerpunkt der Loyalität von der jeweiligen Parteiorganisation (die in Wahrheit die Mandate vergibt) zu den Wählerinnen und Wählern verschiebt.

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3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich glaube, dass ihr Anliegen auf jeden Fall sabotiert worden wäre, halt eventuell in anderer Form.
    Sie haben halt versucht, das Thema gleich gar nicht mal auf den Tisch zu lassen, statt sich um irgendwelche Nein-Argumente zu bemühen.

    Natürlich spielt „Undiszpliniertheit“ mit – aber ich denke, dass es eine Rolle spielte, dass diese Undiszipliniertheit ausgerechnet von einer Frau kam.
    Und – noch dazu von derjenigen, die es dereinst der ÖVP eingebrockt hat, dass der Änderung des Namensrechts zähneknirschend zugestimmt wurde, hätte sie doch wegen ihrer Heirat womöglich sonst Maria Mensdorff-Pouilly-Rauch-Kallat geheißen.
    Ich glaube, dass die „Strafaktion“ sehr viel damit zu tun hat, dass ausgerechnet ein Weiberleut unbotmäßig war.

  2. Ich würde es nicht unterschreiben, dass es wirklich „nur“ um Disziplin ging.
    Wäre Rauch-Kallats Anliegen inhaltlich streng auf Parteilinie gewesen, wäre die Sache ganz anders verlaufen.
    Zugegeben: *weil* es nicht Parteilinie war, was sie wollte, konnte sie das Anliegen nur mittels einer Hinterrücks-Aktion vorbringen.
    Interessant finde ich da immer eines: Diejenigen, die gegen die Töchter in der Hymne (das Weiterführen des Ledigennamens nach der Heirat, „geschlechtsneutrale“ Aufkleber in Wiener Öffis) auftreten, argumentieren gern, dass die Sache irrelevant sei und man ja (frauenpolitisch) viiiel Wichtigeres zu tun hätte. Wieviel Energie die Gegner (und leider auch -innen) in so ne „Nebensache“ reinbuttern, halte ich für entlarvend.

    • Ja, wenn es hier aber wirklich um den Inhalt gegangen ist, um die Frage, ob der rechte Flügel der ÖVP ein Frauenanliegen torpedieren kann, warum haben die dann nicht einfach kategorisch „Nein!“ gesagt? Einfach gesagt: „Wir wollen das nicht, wir stimmen dagegen!“

      Immhin war es ein überparteiliches, von den Frauenorganisationen der SPÖ, ÖVP und Grünen gemeinsam vorbereitetes Anliegen.

      Die entsprechende Passage aus der (nicht gehaltenen) Abschiedsrede von Maria Rauch-Kallat (Quelle: http://diestandard.at/1310511313547/Im-Wortlaut-Eine-Rede-die-nicht-gehalten-wurde) lautet:

      „Wissend, dass es in der Tat auch dringlichere Anliegen in der österreichischen Innenpolitik gibt aber auch mit der Überzeugung, dass Sprache wie kein anderes Medium Bewusstsein prägt, möchte ich daher einen Antrag einer überfraktionellen Fraueninitiative hier im Nationalrat zur Änderung der Österreichischen Bundeshymne einbringen. Es geht uns lediglich darum die beiden Wörter bist du gegen das Wort Töchter auszutauschen, sodass die jeweilige Zeile dann nicht mehr Heimat bist du großer Söhne sondern Heimat großer Töchter, Söhne heißen wird. Das sollte wohl kein größeres Problem darstellen und ich hoffe sehr, dass dieser Antrag in diesem Hause auch sachlich diskutiert und abgestimmt wird. Ich darf daher den Selbständigen Antrag der Abgeordneten Rauch-Kallat, Csörgits, Schwentner, Wurm, Schittenhelm, Oberhauser, Musiol und Silhavy betreffend ein Bundesgesetz, mit dem die Österreichische Bundeshymne geändert wird, einbringen.“

      Nein, meiner Meinung nach wurde hier hauptsächlich die Unbotmäßigkeit der Abgeordneten bestraft, die ihr Anliegen zu wenig mit der Parteispitze akkordiert hatten – und es gab, da bin ich überzeugt, auch bei der SPÖ zahlreiche (Männer), die das mit stillem Wohlgefallen betrachtet haben (vor allem weil die ÖVP den Part des Dreck- und Schlammspritzers übernommen hatte).


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