An der Elbe


Es ist unsommerlich kalt hier. Ständiger Nordwestwind, instabiles Wetter, mal Regen, mal Sonnenfenster für ein oder zwei Stunden.

Es ist ein Wetter, das wie für Hamburg gemacht zu sein scheint. Dies ist keine Stadt für Träume und langes Nachdenken. Das können sich höchstens Touristinnen wie wir erlauben. Sonst heißt es schnell von einem Büro zum nächsten Konferenzsaal, dazwischen ein schneller Kaffee und ein Sandwich, kein Herumspazieren im Freien, da reicht der Regenschirm, um im Trockenen zu bleiben! Wie in London, dem ewigen Vorbild hanseatischer Handelsherren, Bankiers und Schiffseigner, regieren Uhr und Rechenstift. Da Hamburg auch heute noch ein sehr wichtiger Hafen ist, hat der Lauf von Ebbe und Flut hier auch noch reale wirtschaftliche Bedeutung. Hier werden Waren nicht nur gehandelt sondern auch umgeschlagen (meist in Gestalt von Containern).

Die Stadt wirkt auf mich noch viel kühler als zu Anfang dieses Jahrtausends, als ich zum ersten Mal ein paar Tage hier verbracht habe. Man vermisst plötzlich die „pickate“, anlassige Freundlichkeit, die gerade in Wien so weit verbreitet ist. Wir haben heute einen Spaziergang durch jenen früheren Teil des Freihafens unternommen, der derzeit als „Hafen-City“ zu einem neuen Stadtteil für Büro- und Luxuswohnhäuser umgebaut wird. Alles wirkt noch sehr steril, kühl, wie eine kleine Kopie der Londoner Docklands (das werden die Hanseaten nicht gerne lesen, aber es stimmt). Man fragt sich stets, wer denn hier einziehen wird, und ob es wirklich Bedarf für eine solche Retortenstadt gibt?

Und immer wieder der Himmel voller schnell ziehender Wolken, die Regenschleier, die man über der Elbe schon von weitem auf sich zukommen sieht.

Alles wirkt sehr herbstlich.

Advertisements
Published in: on 10. August 2011 at 19:30  Comments (1)  
Tags: , , ,

The URI to TrackBack this entry is: https://zeilenzwischenxundy.wordpress.com/2011/08/10/an-der-elbe/trackback/

RSS feed for comments on this post.

One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. Macht das Wetter die Stadt oder die Stadt das Wetter? – Die Regenschleier ziehen weiter. Immerhin.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: