Das „Was“ und das „Warum“ von Leistung und Zahlung


Eine nette Geschichte hat der grüne Parlamentsabgeordnete Peter Pilz da (anhand eines internen Revisionsberichts der Österreichischen Bundesbahnen – ÖBB) aufgedeckt.

Peter Hochegger, Public-Relations-Berater und Berufslobbyist, habe einen ganz speziellen Coup gelandet. Er habe den bei einem von ihm moderierten internen Workshop der ÖBB präsentierten, von einem ÖBB-Mitarbeiter erfundenen Namen „Railjet“ für die ÖBB-Luxus-Hochgeschwindigkeitszüge einfach flugs selber markenrechtlich schützen lassen und später von den ÖBB etwa € 180.000 brutto für die Nutzung der Rechte kassiert.

Teufel auch, so ein raffinierter Schlingel, clever abgestaubt, schon ein toller Hecht dieser Hochegger, ein echt smarter Businessman, der die biederen ÖBBler da mit einem Lächeln über den Tisch gezogen hat!  Herr Hochegger lässt sich ja selber gerne als Kommunikations-Guru und Marketing-Wunderwuzzi feiern.

Bloß eines: So,wie grad erzählt, ist die Geschichte so fadenscheinig wie ein zehn Jahre altes Hemd und etwa so wahr wie Baron Münchhausens Mondflug. Man muss nur ein bisserl nachdenken!

Also, was passiert mir, Tanja Werdenberg, wenn ich als externe Beraterin zu internen Brainstormings eines Großunternehmens beigezogen werde, dort die Idee für eine neue Marke mitbekomme, und daraufhin etwa zum Patentamt galoppiere, um mir die Marke kraft Prioritätsrechts selber zu sichern?

Ganz richtig, zuerst einmal mache ich mir die Geschäftsbeziehung kaputt, denn der Arbeitgeber des Markenerfinders wird natürlich stinksauer sein und mich nicht mehr bei der Türe hereinlassen. Dann könnte er mich auf Schadenersatz verklagen, denn ich wette um viel Geld, jedes gängige Vertragsmuster für einen externen Berater oder Seminarcoach enthält eine Treue-, Schweige- und Schadenersatzklausel mit saftigen Vertragsstrafen. Und natürlich handle ich ganz allgemein dolos und wider Treu und Glauben, wenn ich eine fremde Idee auszubeuten versuche. Wenn ich dann frech versuchen sollte, die Markenrechte zurück zu verkaufen, werde ich höchstwahrscheinlich ein knappes „Gehn’s sch***n!“ oder „In your wet dreams!“ hören. Eine sozusagen „jungfräuliche“, das heißt noch nicht marktmäßig eingeführte Marke ist nämlich in Wahrheit kaum etwas wert, da sie problemlos durch eine andere ersetzt werden kann. Hätten die ÖBB im Railjet-Fall ihren Zug halt RailFlyer oder SuperCityExpress genannt, statt einem vorwitzigen Abstauber Geld nachzuschmeißen.

Merkt jemand was? „Wo war mei‘ Leistung?“ Von Peter Hochegger können wir annehmen, dass er es weiß.

Es stimmt also entweder die Schlussfolgerung von Peter Pilz, dass die damalige Führung der ÖBB-Personenverkehrs AG treuwidrig Peter Hochegger Geld zugeschanzt hat. Oder….?

Man liest heutzutage ja eine Menge über politische Korruption. Peter Hochegger, der unter Unschuldsvermutung steht und mehr als nur „ÖVP-nahe“ ist (er war ÖVP-Abgeordneter im steirischen Landtag), wird etwa öffentlich bezichtigt, an unsauberen Vorgängen rund um die BUWOG-Privatisierung oder an der Einflussnahme der Telekom Austria AG (nunmehr „A1“) auf den früheren BZÖ-Verkehrsminister Hubert Gorbach beteiligt gewesen zu sein. Es gab in der Vergangenheit sicher auch die eine oder andere Verordnung oder Entscheidung, mit der ein Verkehrsminister den ÖBB einen Gefallen hätte tun können. Vielleicht dann, wenn ihn ein einflussreicher Lobbyist recht schön darum gebeten hätte?

Heute wird nicht mehr mit über den Tisch geschobenen Kuverts oder Geldkoffern bestochen. Heuzutage bedankt man sich bei Ex-Politiker/inne/n mit „Consulting-Verträgen“ und sponsert (extrem teure) Homepages, den als PR-Vehikel des Herrn Minister dienenden Fußballklub, die Parteizeitung oder Sekretärinnen. Auch Insidertipps für risikolose Börsegeschäfte oder ein gut dotierter Job für den Herrn Neffen oder die Frau Nichte könnten „part of the game“ sein. Zahlen tun dann gerne scheinbar unbeteiligte Vierte, die das Geld bei Dritten verdient haben, und für alles gibt es natürlich „supersaubere“ Rechnungen.

Herrje, fast sehnt man sich in die „unschuldigen“ Zeiten zurück, als „Parteispenden“ wirklich noch im schwarzen Koffer übergeben wurden, und nicht die Tango Corrupti SA in Panama der Ego & Ego Privatstiftung in Liechtenstein die nächsten geschäftlichen Pläne der börsennotierten B2-AG zugeflüstert hat!

Edit 31. August 2011, 17:10 Uhr: frisch erschienen im „Falter“ 35/2011 ist unter dem Titel „Shitlist Telekom“ eine Darstellung der bisher aufgeflogenen Korruptionsskandale aus der Ära der schwarz-blau-orangen Bundesregierung (mit Schwerpunkt Telekom Austria) von Joseph Gepp und Wolfgang Zwander.

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Published in: on 31. August 2011 at 11:26  Schreibe einen Kommentar  
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