Unbehagen


Ich war – wie selten, aber immer wieder – auf einem so genannten „europäischen“ Ereignis, einer Konferenz, einem Meeting. Nur eine ganz kleine Sache, nichts Hochoffizielles oder Weltbewegendes, kein Treffen von Spitzenrepräsentatinnen von Weiß-Gott-wem und der Welt. Etwas, das Papier (oder gefüllten Webspace) und Spesen aber keine Ergebnisse oder Konsequenzen produziert.

Böse könnte man sagen: ein Teich voll lauter kleinen Fischlein, die das gewisse internationale Hecht- und Karpfen-Gefühl spüren möchten. Das Namensschildertragen und Jemandenvertreten, das gemeinsame Konferenzdinnermampfen und Espressoschlürfen.

Ich will ehrlich  sein: keine der Kolleginnen, keiner der Kollegen hier ist unsympathisch, aber ich mag dieses Fischlein-Volk nicht. Ich bin auf Order hier. Ich hasse es förmlich, auch nur für zwei Tage dazuzugehören. Ich halte es für eine Zeit- und Geldverschwendung, hier dabei zu sein. Ich mag diese gekünstelte „europäische“ Familienindylle nicht. Ich unterhalte mich einfach nicht gerne mit Menschen in einer regelmäßig für beide fremden Sprache, dem Englischen. Man kann so kommunizieren, aber sich unterhalten, miteinander reden, das funktioniert nicht. Ich kann es jedenfalls nicht. Es fehlen einfach zu viele Nuancen, es gibt zu viele Quellen von Missverständnissen. Und keine/r hier kann mir bei meinen spezifischen beruflichen Problemen helfen. Mehr als ein „Aha, so ist das also bei euch“ ist da nicht zu erwarten.

Nur um das klarzustellen: das liegt natürlich nicht daran, dass ich in meiner männlichen Identität an dieser Konferenz teilnehme. Die ist nun mal meine Berufsidentität.

Ich glaube, es war kein Zufall, dass ich gestern abend die gemeinsame  Dinnerfutterkrippe nicht gefunden habe (Zettel mit der Adresse vergessen und aus dem Kopf nicht erinnert, trotz einer halben Stunde Suchens mit einem Bild aus dem Stadtplan im Kopf nicht hingefunden, offiziell hatte ich ein „gesundheitliches Problem“).

Es ist ein Fall von tiefem Unbehagen.

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Published in: on 5. Oktober 2011 at 12:27  Schreibe einen Kommentar  
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