Peter, Heinz-Christian und Natascha


Der Grad der Besessenheit, den einige Politiker, namentlich jüngst der Grüne Peter Pilz und der Freiheitliche Heinz-Christian Strache, für den Kriminalfall Natascha Kampusch entwickeln, übersteigt aus meiner Sicht bereits den Grad dessen, was durch die Logik des (tages-) politischen Geschäfts erklärt werden kann.

Aber damit befinden sich diese Herren – es sind fast nur Männer – in seriöser Gesellschaft. Sogar zwei pensionierte Höchstrichter (Ludwig Adamovich jun., Johann Rzeszut) sind prominente „Ehrenmitglieder“ jener weitgespannten Gesellschaft, die durch Mystifizierung und Verschwörungstheorien dafür sorgt, dass Frau Kampusch wohl nie ganz ihren Frieden finden wird können. Bravo!

Es geht mir nicht darum, Pannen und Fehler der Polizei oder der Staatsanwaltschaft zu vertuschen oder zu beschönigen. Die hat es sicher gegeben. Die gibt es in jeder behördlichen Untersuchung. Vielleicht hätte die entführte Natascha Kampusch tatsächlich schnell aus der Gewalt des Entführers Wolfgang Priklopil befreit werden können, wenn man bestimmten Hinweisen nachgegangen wäre. Aber die Polizei bekommt ständig irgendwelche „Hinweise“ (oft des Typs „Der….war’s!“), und die meisten davon erweisen sich als pure Windwacheleien oder boshafte Denunziationen. All dies wurde mehrfach untersucht, evaluiert und dokumentiert.

Doch wie hoch ist die Glaubwürdigkeit all dieser seltsamen Theorien über ein geheimes Netzwerk und einen im Hintergrund agierenden Kinderpornoring, wenn das Opfer nie eine Aussage gemacht hat, die all dies stützt? Ah ja, natürlich wird Frau Kampusch seit ihrer Befreiung ständig von diesem geheimen Netzwerk überwacht und kontrolliert, sie wurde einer Gehirnwäsche unterzogen, sie wird, je nach Wahl der Verschwörungstheoretiker, vom geheimen Netzwerk bezahlt (ist inzwischen dessen Komplizin) oder erpresst (ist immer noch dessen Opfer). Ein Polizeibeamter, der im Fall Kampusch ermittelt und tragischerweise Selbstmord begangen hat, wurde – Variante A – vom geheimen Netzwerk in den Suizid getrieben oder – Variante B – gleich meuchlings ermordet, um ihn zum Schweigen zu bringen. Und, die neueste Krone der gerüchteweisen Geschmacklosigkeit (Copyright by FPÖ), Natascha Kampusch wurde angeblich von unbekannter Seite geschwängert und hat in der Gefangenschaft ein Kind geboren, das – Variante A – auf unbekannte Weise zu Tode gekommen ist oder – Variante B – für Zwecke verkauft wurde, über die selbst wackere FPÖ-Politiker nur zu flüstern wagen!

Ist ihnen inzwischen schlecht? Mir auch!

Dieses geschmacklose Spiel wird inzwischen von einem parteienübergreifenden Kartell von politischen Drecksüppchenköchen und Kleingeldmünzern und sensationsgeilen Medien am Laufen gehalten. Die Medien trifft dabei die geringste Schuld, denn die betreiben nur ihr übliches Geschäft. Die Frage, die sich mir stellt, ist, was sonst einigermaßen seriöse Politiker wie den Grünen Peter Pilz antreibt, an der Natascha-und das-geheime-Netzwerk-Räuberpistole mitzuspinnen?

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