Tag für Tag für Tag


Ich werde älter. Nein, ich meine nicht die simple Tatsache, dass jeden Tag 24 Stunden auf meiner biologischen Uhr herunterticken. Ich meine, was meine Namensvetterin und Urahnin im Geiste über die Zeit gesagt hat: „…aber auf einmal, da spürt man nichts als sie!“

Gewisse Zeichen sind objektivierbar. Es sind Fältchen da, die markanter werden. Langsam aber unaufhaltsam werde ich weitsichtig, meine Augen sind also nicht mehr so elastisch und anpassungsfähig. Und man kann erste Spuren grauer Haare finden.

Und „die Einschläge kommen näher“, wie ein vor nicht allzu langer Zeit verstorbener Onkel es genannt hat: Verwandte der älteren Generation sind von mir gegangen, die ersten Gleichaltrigen sind immer wieder krank und träumen von ihrer Pensionierung.

Ich muss mir Gedanken machen, welche Ziele ich im Beruf noch erreichen will, und welche ich, ohne Illusionen und Größenwahn, auch erreichen kann. Ich denke darüber nach, ob ich ein Haus oder doch eine Wohnung erwerben soll, die mir und meiner Liebsten auf Dauer Obdach bietet. Oder zumindest doch solange einer von uns beiden noch auf eigenen Beinen stehen kann!

Wie alle Menschen finde ich den Gedanken an das Alter grausam und beängstigend. Das ist nichts Abstraktes mehr, das ist ein Ungeheuer, dessen dumpfe Tritte man schon hören kann, wenn man das Ohr an die Wand legt. Die Wand wird dünner, und das Monster kratzt auf der anderen Seite!

Als Kind hatte ich einen mehrfach wiederholten Alptraum. Ich stand in einer Allee auf den Friedhof von ****, einen Spaziergang von der Wohnung meiner Eltern entfernt. Und ich hörte Schritte, sah eine graue Gestalt, schwankend und mit langsamen, pochenden Schritten auf mich zukommen. Es war eine amorphe, unbeschreibliche Gestalt, und das Pochen war natürlich mein eigener Herzschlag. Die Gestalt deute ich seit langem als den Tod. In meiner Kindheit war er am Beginn des Traumes stets gleich weit entfernt von mir. Und er kam nie wirklich näher, bewegte sich wie auf der Stelle.

In jüngster Zeit plagt mich die Sorge, ich könnte ihn im Traum einmal näherkommen sehen!

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Published in: on 12. März 2013 at 13:05  Schreibe einen Kommentar  
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