Der breite Strom, der Enttäuschung heißt


Kein guter Tag! Um etwa vier Uhr kam die Nachricht, dass es mit einem hoffnungsvollen Karrieresprung nichts wird. Nicht dass ich, wie könnte es auch anders sein, fix damit gerechnet hätte. Bleibt der Trost, dass ich gelernt habe, mit Enttäuschungen umzugehen. Kann ich inzwischen ganz gut. Und ich halte das für eine sehr wichtige soziale Fähigkeit.

Ich habe einen fairen Kampf geliefert, aber die Konkurrenz war zu stark. Ich habe mein Bestes gegeben, ich war ehrlich, habe es ohne taktische Lügen oder diplomatisches Geschwurbel versucht. Gut, Letzteres war im Hinblick auf den Erfolg vielleicht ein Fehler, vielleicht der entscheidende Fehler, aber was soll’s! Ich habe mich jedenfalls nicht verbogen. Siegertypen haben andere Probleme, etwa den Kampf mit dem Drang, sich im Größenwahn zu verlieren. Durchschnittsmenschen wie ich kämpfen mehr mit dem Drang, sich zwecks Schmerzvermeidung in gar nichts mehr einzulassen.

Aber das wird nicht passieren! Ich würde es noch einmal versuchen. Es war vielleicht eine jener Chancen, denen man besser als nachweisliche/r Verlierer/in nachweint als in der Rolle des Hättiwäri, der Lebensform des verhatschten Konjunktivs.

Betrachtet man die Enttäuschung als breiten Strom, so bin ich wohl bis ans andere Ufer geschwommen und habe nun wieder festen Boden unter den Füßen.

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Published in: on 22. Juli 2013 at 17:39  Comments (3)  
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3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Oh, ich habe nichts von Transgendern gesagt, das ist ein völlig anderes Thema. Meine Erfahrungen in Punkto Enttäuschungen sind ziemlich deckungsgleich mit CIS-Menschen.
    Das ich als Transfrau, die sich auch so in der Bewerbung vorstellt, auf einem ganz anderen Level arbeite ist klar, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Ich sage immer entweder es paßt oder es paßt nicht.

  2. Im Berufleben gehören Enttäuschung heute zum Alltag dazu. Damit muß jeder lernen umzugehen. Ich habe heute auch eine Absage bekommen, es war eine Stelle, die meiner Meinung nach perfekt auf mein Profil passen würde. Aber ich wurde nicht mal zum Vorstellungsgespräch eingeladen, einfach nur die lapidare Antwort, dass man einen Bewerber ausgesucht hat, der noch besser paßt.
    Das ist nicht nur enttäuschend, dass weckt auch Zweifel.
    Aber wie sagte ein Bekannter mal zu mir, sein Arbeitsvertrag wurde um ein Jahr verlängert und er fühlt komischerweise keine Freude, sondern nur Erleichterung. Ich antwortete, dass das verständlich ist, im Beruf ist heute nichts mehr sicher oder planbar, also kann man keine positiven Gefühle entwickeln, weil man weiß, daß man später schon wieder in der gleichen Situation ist, wie jetzt. Man arbeitet von Jahr zu Jahr und ist so damit beschäftigt, Status Quo zu sichern, dass echte Verbesserungen oder Aufstiegschancen zu den wenigen, utopischen Chancen werden, die sich eh irgendwelche Haifische (also Kollegen mit mehr Biss oder der größeren Klappe) schnappen.

    • Na ja, in meinem Fall war der „Haifisch“, der sich den begehrten Job geschnappt hat, mein/e Chef/in. Dienstälter, mehr Erfahrung, akademische Meriten und politisch wohl auch auf der richtigen Seite verankert (jedenfalls nicht „Nullgruppler/in“, so wie ich). TG hat dabei keine Rolle gespielt.


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