Treue (k)lebt


Ich begehre Frauen und Männer.

Natürlich ist die Anziehung nicht gleich. Frauen wirken viel stärker auf mich. Es gibt viel mehr Frauen, deren Anblick allein erotische Fantasien auslöst, mit denen ich spontan nackt in einem weichen Himmelbett liegen und Zärtlichkeiten austauschen möchte.

So weit, so banal. Das ist nur das kleine Einmaleins der Bisexualität. Hundertfach beschrieben.

Männer regen selten die Fantasie an. Solche, die es tun, sind rare, regelmäßig unerreichbare Glücksfälle. Manchmal sind sie schlicht und einfach heterosexuell. Strikt heterosexuell, das heißt, auch von einer Tivi nicht verführbar, auch nicht von einer feminineren, als ich es bin. Aber Männer müssen nicht unbedingt schön oder Stoff für Tagträume sein. Wenn ich eines auf meinen Ausflügen in Swingerclubs gelernt habe, dann ist es die Kunst, sich gehen zu lassen, einfach auf einer Libido-Welle zu surfen.

Meistens schrecken wir genau davor zurück. Und es gibt auch gute Gründe dafür! Man kann an den Falschen oder die Falsche geraten (gefährliche Menschen mit einem psychischen Knacks meine ich), man kann den Boden unter den Füßen verlieren und auf die Safer-Sex-Regeln vergessen. Es gibt einige „Wenns“ und „Abers“! Aber wenn man so eine Welle reitet, lässt sich der Mann auf das reduzieren, was er zwischen den Beinen hat: seinen Penis.

Die Frau in mir möchte sexuell begehrt werden, manchmal auch einfach ganz wild und roh. Die eigene Fantasie lässt dazu Szenen im Kopf ablaufen, für die es einfach nur pornografische Floskeln gibt: „Komm, geiles Luder, mach die Beine breit und lass dich…!“ Und so weiter halt. Szenen, die der Frau, die ich liebe, nicht gefallen würden, soviel ist gewiss.

Was wäre es mir wert, das auszukosten? Würde ich jemanden verletzen, der auf meine sexuelle Treue zählt? Bricht mit der Treue auch die Liebe? Und was zählt Treue überhaupt? In meinem Alter zählt sie doch schon recht viel, die Treue ganz allgemein, das Zum-anderen-Stehen. Sie könnte das sein, was mich vor Einsamkeit in Alter oder Krankheit bewahrt.

Wäre die Welt eine bessere, wenn wir alle wilder, ungehemmter, experimentierfreudiger und sexuell ungebundener wären? Oder haben die, die es sind, dies es zu sein versuchen, alle miteinander einen leichten Knacks? Treue klebt, sie hält uns zusammen, aber ist Klebstoff wirklich ein sympathischer Stoff? Manchmal erhöhe ich sie zum Ideal, dann wieder verfluche ich sie als sentimentalen Schwachsinn oder als verkappten Besitzanspruch. Aber ich komme von diesem Begriff einfach nicht los!

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Published in: on 19. November 2013 at 19:06  Comments (3)  
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3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Na ja, ich würde ganz einfach fragen was willst du?
    Es fallen viele Schlageworte, wie Treue, sexuelle Ungebundenheit, Familie (die Erwähnung von Alter, Krankheit und Einsamkeit läuft letztlich auf dieses Konzept hinaus), aber viele dieser Dinge sind unvereinbar oder nur extrem schwer.
    Man kann selten alles haben, eigentlich muß man immer auf irgendwas verzichten oder man muß zu mindestens Kompromisse eingehen. In einer Beziehung muß man sich auch immer fragen, in wie weit man sich entfalten und einbringen kann. Anderseits ist Angst vor Einsamkeit keine Grundlage für eine Beziehung.

    • Ja, wenn die Antwort auf die Frage „Was will ich?“ immer so einfach wäre! Manchmal will man buchstäblich am Abend etwas Anderes als beim Aufstehen!

      • Erinnert mich an eine Geschichte aus meinem Freundeskreis. Ein Mann ende 20, beendet eine Beziehung und fängt sofort eine neue an. Die neue Frau muß ja auch sofort bei ihm einziehen und Pläne für eine größere Wohnung werden gemacht. Nach 2 Monaten wird es langweilig, die Freundin wird gefragt, sie wirklich jeden Tag bei ihm sein muß, es fehlt ja an Freiraum für ihn. In dieser Krise kommt es, wie es kommen mußte, stündlich ändert er die Meinung bezüglich dessen was er will. Paradebeispiel in einer Stunde redet er von Trennung, in der nächsten vom gemeinsamen Autokauf. Die Frau fühlt sich, zu Recht, für dumm verkauft. Die Krone wurde dem ganzen dann aufgesetzt, als der Mann sich dann sexuell mit einer anderen vergnügte. Beweisen läßt sich das freilich nicht, da wir ihn nicht inflagranti erwischt haben, aber nach der Trennung hatte er am nächsten Tag eine Neue. Damit sind die Indizen doch schon recht eindeutig. Und während diese Affäre noch läuft wird die Ex-Freundin angeschrieben, dass die Neue nichts bedeutet und er die Ex immernoch liebt und wieder haben will. So zu sagen Sex mit der einen, Liebe mit der anderen. Die Ex-Freundin hat sich dann tatsächlich noch mal erweichen lassen, ihm eine Chance zu geben, aber das war schnell vor bei, spätestens dann als er sich erdreistete einen Antrag zu machen. Ein solche Vorspiel ist nun mal keine Grundlage für eine Ehe und in meinen Augen war so ein Antrag nur ein Versuch sich gegen eine erneute Trennung abzusichern, wenn er weitere Eskapaden produziert.
        Manche Menschen wissen halt nicht was sie wollen oder sie immer wieder etwas anderes. So etwas ist aber in einer Beziehung schwer umzusetzen, weil eine Beziehung nun mal ein Stück Verlässlichkeit voraussetzt. Da muß halt jeder an sich arbeiten oder auf die Dauer wird es schwer mit der Beziehung.


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