Die amorph-digitale Welt


Ich bin nicht in der Welt des Webs und der Digitalisierung des Lebens, der Aufteilung der Verhältnisse in Zahlen und berechenbare Größen, groß geworden. Aber ich lebe ganz gut darin. Sie ist auch meine Welt. Ich konnte bisher Schritt halten.

Aber wenn ich etwas hasse, dann ist es…aber fangen wir doch einfach bei den Fakten an!

Ich habe natürlich ein Handy, wie das seltsame denglische Wort für Mobiltelefon lautet. Ein sogenanntes Smartphone der ersten Generation von Samsung, knapp fünf Jahre alt. Es funktioniert noch sehr gut, auch der Akku hält noch, und der ist im Grund genommen der einzige Bauteil an so einem Gerät, der aufgrund chemischer Prozesse einer spürbaren Abnützung unterliegt. Aber es hat als Software-Basis noch keines der heute gängigen Handy-Betriebssystem.

Fünf Jahre, in meiner Zeitrechnung habe ich mich da gerade an so ein Gerät gewöhnt!

Heute habe ich von Google Inc. die Verständigung bekommen, dass die App, das auf dem Mobiltelefon laufende kleine Anwendungsprogramm, zum Abruf der Gmail-Dienste in allernächster Zeit nicht mehr unterstützt werden wird. Das Programm läuft auf Java-Basis, und derartige Apps werden heute praktisch ausnahmslos nur für die Betriebssysteme der Android-Familie (Google bzw. quelloffen) , Apple-iOS oder Windows-Phone (Microsoft-Nokia) geschrieben. Also dreht Google den Hahn zu.

Und ich muss mir ein neues Mobiltelefon zulegen, wenn ich nicht demnächst unterwegs auf das Lesen von E-Mails verzichten möchte. Wissend, dass der nächste Wechsel dann in drei Jahren, und der übernächste vielleicht in sechs Monaten fällig sein wird. Ich möchte das aber nicht tun. Ich mag mein altes Gerät. Es funktioniert und bietet eigentlich alles, was ich brauche.

Die digitale Welt ist amorph, gestaltlos und ruhelos. Und auch undurchschaubar. Selbst Spezialist/inn/en verstehen gerade jenen Teil davon, den sie selbst entworfen haben. Man wird durch sie gezwungen, Dinge wegzuwerfen, die gut funktionieren, nur weil jemand, auf den es ankommt, nicht bereit ist, ein paar neue Programmzeilen dafür schreiben zu lassen. Die gestaltlose Gestalt dieser Welt, eben jene fehlenden Programmzeilen symbolisieren sie.

Und das hasse ich!

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Published in: on 10. Dezember 2013 at 23:17  Comments (3)  
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3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Und wenn du dich schon darüber ärgerst das dein Smartphone nach ein paar Jahren die gewohnten Anwendungen nicht mehr unterstützt, dann hoffe, daß du weder Interesse am Fernsehen im Allgemeinen noch am Digital Fernsehen im Besonderen hast. Denn da sind die Zustände um vieles Schlimmer, jeder Betreiber hat sein eigenes Verschlüsselungsystem und die meisten Reciever-Hersteller haben nur eine kleine Auswahl an Geräten für den jeweiligen Schlüssel. Wenn dann eine Sendergesellschaft entschließt ihre Programme anders zu verschlüsseln, weil es neue Standards gibt, dann sind die alten Geräte nutzlos. Eine Update-Funktion für die alten Geräte gibt es nicht und die neuen Standards sind nicht abwärtkompatibel. Davon kann ich in den letzten Wochen ein Lied singen, wir hatten teilweise massive Probleme mit dem Fernsehempfang. Nach vielem Hin- und Her haben wir jetzt endlich brauchbare Informationen erhalten. Die Sender, die wir vorher empfangen haben, kann unser Reciever gar nicht mehr empfangen, weil die Sendergesellschaft ganz einfach die Standards geändert hat. Mal abgesehen davon, daß ich es von unserem Netzbetreiber ganz schön frech finde uns über diese wichtige Änderung nicht in Kenntniss zu setzen, heißt das wir brauchen einen neuen Reciever. Kurzzeitig hatte ich gehofft, daß unser Fernseher vielleicht ein passendes Interface hat, immerhin ist der auch erst 24 Monate alt, aber das hat sich zerschlagen, das Interface ist nicht dem neusten Stand, sondern eine Version davor.
    Kurzum, für die Spezifikationen und den Schlüssel den unser Netzbetreiber verwendet, gibt es akutell so 10 oder 20 Geräte auf dem Markt. Da ist das Preisgefälle natürlich gerade groß. Als Endverbraucher ist man gezwungen sich neue Hardware zu kaufen, wenn man das nutzen will, was man vorher genutzt hatte. Und das nur weil die Betreiber/Anbieter/Hersteller auf neue Standards umstellen und die alten Einfach abgeschaltet werden. Im Fall des Digital Fernsehen wird dies sogar von Verbraucherschützern kritisiert, daß die Endkunden verdächtig oft zum Kauf neuer Geräte gezwungen werden.

  2. Nun, Nokia bewirbt sein neustes Gerät ja auch mit einem Werbespot in dem u.a. die abfällige Bemerkung zu hören ist: „Ihr Smartphone ist ja sowas von 2008…“, sprich es ist veraltet, überholt und schlicht nicht mehr zeitgemäss. Über die Funktion und die Anwendbarkeit werden keine Aussagen gemacht, die Botschaft lautet einfach das Neuste ist gerade gut genug. Naürlich muß die Werbung so argumentieren, immerhin will das Unternehmen mit den neuen Produkten Geld verdienen. Das ist der springende Punkt, lieber etwas neues entwickeln als etwas altes zu verbessern, die Gefahr das andere Unternehmen einen dann überholen ist zu groß.
    Mit Hinblick auf den Software-Giganten Microsoft sieht man ja wohin das führt, mit dem Verkauf von Win 8 wird nun der Support von Win XP eingestellt. Das System läuft noch einwandfrei, aber für Microsoft lohnt es sich nicht mehr da noch in irgendeiner Form Geld rein zu stecken. Selbst eine neue Programmzeile dafür zu schreiben lohnt sich für Bill Gates nicht, weil er anderswo mehr verdienen kann.
    Somit muß man als Endnutzer auf ein Betriebssystem umsteigen, was noch supportet wird. Zu mindestens ist das dringend anzuraten, wenn der eigene PC am Internet hängt, weil sich sonst irgendwann Sicherheitslücken auf tun, die nunmal nicht mehr geschlossen werden. Natürlich kann man das ignorieren, aber in Zeiten der steigenden Online-Kriminalität ist sowas doch leichtsinnig bis fahrlässig. Und selbst wenn man Glück hat und nichts passiert, andere Hersteller werden ihre Win XP kompatiblen Programme auch nicht mehr updaten, also wird man da über kurz oder lang jede Menge Fehlermeldungen kriegen. Wenn man also so weiter arbeiten will wie bisher, wird man nicht um ein neues Betriebssystem drum rum kommen.
    Was nützt einem Endnutzer ein Gerät oder ein Programm, mit dem er vielleicht zu frieden ist, das aber nicht mehr für irgendwelche Anwendungen zu nutzen ist? Wenn er die gewohnten Funktionen nutzen will, wird er auf etwas Neues umsteigen müssen.

  3. Nun, man kann das Mooresches Gesetz auslegen wie man will, man kann es sogar ganz in Frage stellen, trotzdem läßt sich ein Wachstum und eine Leistungssteigerung schwer bestreiten. Aber hier offenbart sich das paradoxe in der Informations- und Komunikationstechnologie. Möchte man mit der Entwicklung schritthalten und als Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben. Man muß „up to date“ sein und „state of the art“ entwickeln, sonst läuft man Gefahr eine Entwicklung zu spät zu erkennen und kann nicht mehr auf den Zug aufspringen. Für eine Firma könnte das fatal sein und das Aus bedeuten. Mehr als ein namenhaftes Unternehmen aus dem Bereich Kommunikation und Computer hat eine Entwicklung übersehen und vom Markt verschwunden. Ich erinnere nur an ehemalige Branchenführer wie IBM oder Siemens. Niemand möchte die Spitzenposition verlieren, nur weil er zu spät in eine Entwicklung einsteigt. Für ein Unternehmen lohnt es sich nicht in etwas „Veraltestes“ zu investieren, für die Wettbewerbsfähigkeit kann man sogar sagen ist es gefährlich so etwas zu tun. Und „veraltet“ bedeutet in der Informationstechnologie nicht etwa, das irgendwas kaputt ist, oder unpraktisch geworden ist, nein, es bedeutet schlicht, mit Hinblick auf oben genanntes Gesetz, daß es vor 24 bis 36 Monaten entwickelt wurde.
    Als Nutzer muß man sich dann mit der neuen Entwicklung vertraut machen, oder die Nutzung einstellen.


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