Ich mag keine Kinderkasernen!


Wenn es etwas gibt, was mich an der aktuellen Diskussion über Schulen, Schulreformen und Erziehungspolitik irritiert, ja abstößt, so ist es die völlige Ignoranz der Frage, ob Kinder nicht auch Freiheit brauchen.

Es wird alles strikt aus der Perspektive der Eltern, speziell der Mütter gesehen. Kinder sollen schnell aus dem Haus und unter staatliche Obhut, damit Mutter und Vater sich selbst verwirklichen oder möglichst viel Geld verdienen können. Kinder sollen die Lebensplanung der Eltern nicht beeinträchtigen.

Wer dazu auch betont links denkt, der hält meist den Staat mit seinen Lehrern und Erziehern ohnehin für besser geeignet, dem Kind ein passendes Weltbild zu vermitteln.

Daher heißt es leichtfertig: her mit der Kindergartenpflicht ab zwei Jahren, her mit der Ganztagsschule, es lebe die Kinderkaserne, es lebe das Zwangskollektiv!

Hat eigentlich jemand darüber nachgedacht, dass Kinder und vor allem Jugendliche auch das Recht haben, sich individuell zu entfalten, allein zu sein, sich Gruppendruck und Gruppenritualen zu entziehen? Man möge mich steinigen, wenn ich hier einen auch zutiefst konservativen Standpunkt vertrete, aber wie kommt der Staat dazu, Eltern und Kindern vorzuschreiben, dass sich ein junger Mensch von morgens bis abends unter Aufsicht von Staatsorganen, Lehrer genannt, in einem sozialen Biotop namens „Klassengemeinschaft“ aufzuhalten hat?

Bildung ist wichtig und unentbehrlich, Schule kann wertvoll sein, aber ihr Gewicht darf nicht übermächtig und erdrückend werden! Hätte ich im Alter von zehn bis sechzehn Jahren nicht täglich die Aussicht gehabt, spätestens um zwei Uhr das Schulgebäude verlassen und dem verhassten Zwangskollektiv entfliehen zu können, ich würde dies heute nicht schreiben, denn ich hätte mich mit hoher Wahrscheinlichkeit umgebracht. Was mich am Leben erhalten hat, das war eben dieser Freiraum. Das ist meine Erfahrung.

Es ist gut und richtig, wenn der Staat Eltern die Möglichkeit gibt, Kinder in Betreuung zu geben, um einen Beruf auszuüben. Aber es ist eine Sünde gegen das Grundrecht auf Freiheit, und es ist meiner tiefsten und inbrünstigsten Überzeugung nach daher grundfalsch, wenn er Kinder zum ganztägigen Schulbesuch verpflichtet oder Eltern zwingt, schon die Kleinsten in einen Kindergarten zu geben.

„Aber es gibt doch so viel, was Kinder lernen müssen!“, sagen sie? Weg damit, abräumen den ganzen Krempel, diese aufgeblasenen Lehrpläne, in die lehrerische Wichtigtuer Jahr für Jahr eine neue Schicht an „unverzichtbarem Wissen“ packen!

Nichts davon kann die Kasernierung von Kindern rechtfertigen. Es lebe die Freiheit!

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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ich mag keine Einzelhaft für Kinder
    Im Jahr 2012 lag die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau bei 1,4. Es gibt immer mehr Kleinfamilien mit Einzelkindern. Die Zahl der Alleinerziehenden wächst. Kinder leben hier in „Biotopen“, die sie eher daran hindern, zu sozialen Wesen zu werden, als dabei zu helfen. Noch im letzten Jahrhundert war die Großfamilie das gültige Konstrukt: es lebten Kinder verschiedenen Alters, Eltern, unverheiratete Tanten und Großeltern unter einem Dach – oder wenigstens im gleichen Dorf. Kinder machten in in diesen „Familienrudeln“ vielfältige Erfahrungen über das Zusammenleben von Groß und Klein, hatten mehrere erwachsene Vertrauenspersonen, lernten selbst früh Verantwortung übernehmen gegenüber Kleineren und für Bereiche, die sie bewältigen konnten. Heutzutage sehe ich kleine Paschas, Prinzen und Prinzessinnen, die von Hubschraubermüttern verhätschelt und um alle Alltagsprobleme herumlaviert werden – auf der anderen Seite vernachlässigte, ungeliebte, ungewollte Kinder, die keine Struktur in ihrer Umgebung finden, die sie halten und stützen würde. Kinder sollen unter Kinder – im besten Falle unter solche verschiedenen Alters. Kinder brauchen hilfreiche Erwachsene – nicht staatliche „Aufbewahrungsbeaufsichtiger“, sondern „Entwicklungshelfer“. Es braucht ein ganzes Dorf, ein Kind zu erziehen, so lautet ein afrikanisches Sprichwort. Freiheit schön und gut – Einzelhaltung, nein danke!

    • Ein weiterer Nachteil unserer schönen, neuen Welt, in den wenigsten Fällen reicht ein Einkommen aus, um eine Familie mit 3 oder gar 4 Personen zu ernähren. Von Akademikern in Spitzenpositionen einmal abgesehen, verdienen die meisten Menschen zwischen 20 und 30 Jahren im Schnitt nicht genug, als dass sich ein Elternteil es leisten könnte Jahre zu Hause zu bleiben und sich um die Kinder zu kümmern. Viele Familien sind darauf angewiesen, daß beide Elternteile arbeiten, sonst kommen sie nicht über die Runden. Nicht wenige, der 20 bis 30 Jährigen stehen heute vor der Wahl entweder Kinder oder den Beruf/ den Lebensstandard behalten. Traurig aber wahr, viele Paare können es sich finanziell einfach nicht leisten, Kinder zu kriegen.
      Und das es keine Großfamilien mehr gibt, ist der selben Entwicklung geschuldet, wenn es in meinem Dorf oder meiner Stadt keine Ausbildung oder keine Arbeit gibt, dann muß ich weg ziehen und mir wo anders Arbeit suchen.Niemand kann es sich leisten, weder die Verwandtschaft noch der Staat, einen Menschen durch zu füttern, nur weil der in seinem Umfeld keine Arbeit und kein Einkommen findet. Wir sind alle den Gesetzen der Marktwirtschaft unterworfen und die verlangen Flexibilität und Mobilität und das ist der genaue Gegensatz zu festen Familienstrukturen. Ich kenne genug Leute, die wegen der Arbeit, weg gezogen sind und ihre Freunde und Familie zurücklassen mußten. Einige haben dafür sogar ihre Beziehung beendet, weil der Partner ganz einfach nicht mitgehen wollte.
      Machen wir uns nichts vor, die Welt von damals gibt es nicht mehr, der Beruf und das Einkommen sind zum Zentralen Mittelpunkt des Lebens geworden und alles andere hat sich dem unterzuordnen und jeder muß Opfer dafür bringen. Und die Familie bleibt dabei vielfach auf der Strecke.

      • Es stimmt schon, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse Familien mit Kindern oft nur die Wahl zwischen einer Einschränkung des Lebensstandards oder einer Berufstätigkeit beider Elternteile lassen. Ich werde sicher auch keiner Frau und keinem Mann das Recht bestreiten, einen Beruf auszuüben. „Frauen zurück an den Herd!“, das ist sicher nicht meine Parole. Mir geht es um zwei Dinge: Einerseits soll der Staat den Eltern möglichst wenig vorschreiben, wann, wo und wie lange sie ihre Kinder in staatliche Obhut (Kinderarten, Schule) zu übergeben haben, andererseits soll möglichst früh den Kindern selbst die Entscheidung überlassen werden, wie sie sich ihre Zeit einteilen. Daher mein Ruf nach einer möglichst geringen Zahl an verpflichtenden Stunden im Schulbetrieb.

  2. Machst du dir das mit dieser strikten Pro und Kontra Haltung nicht ein bißchen zu einfach? Sicherlich der Staat primär einen Bildungsauftrag keinen Erziehungsauftrag, das heißt Kinder brauchen nicht permanent unter Aufsicht stehen, aber er muß sich schon Gedanken machen in welchen Rahmen die Bildung umgesetzt werden soll und welche Bedingungen das beste Umfeld fürs Lernen schaffen und auf die indivduellen Bedürfnisse des Kindes eingehen. Eine grobe Pauschalisierung oder die Annahme was für uns gut genug war zum Lernen ist für unsere Kinder genauso gut, ist hier eher hinderlich. Wenn das staatliche Bildungs- und Schulsystem nicht permanent optimiert und auf seine Tauglichkeit geprüft wird, dann gerät die Bildung irgendwann ins Hintertreffen und das System an seine Grenzen. Ist es im Grunde nicht ein Armutszeugniss, daß Deutschland, der einzistige Land der Dichter und Denker, sowie Erfinder, jetzt nichts nur noch Mittelmaß ist, in Sachen Bildung und Schule? Und woran liegt das? Werden deutsche Schüler immer dümmer oder an den Verantwortlichen, die niemals eine Notwendigkeit für Änderungen gesehen haben? Sicherlich nicht jedes Kind ist zum Genie geboren, aber wenn die Strukturen so verkrustet sind, daß sie jedes Potenzial ersticken, dann tut man den Kindern unrecht.
    Freiheit ja, aber den Kindern ihre Freiheit geben und sie im Gegenzug ihrer Chancen, ihrer Möglichkeiten, ja ihrer Zukunft berauben, das ist ein ganz schlechter Handel.
    Und machen wir uns nichts vor, unsere Welt ist komplexer geworden, vielseitiger, flexibler und schnell lebiger. Pauschal zu urteilen, so und so viele Unterrichtseinheiten reichen aus, um eine gute Bildung zu schaffen und damit den Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, dass kann man so nicht mehr sagen.
    Ich bin eindeutig gegen eine Überregulierung, aber die Angebote müssen vorhanden sein, wenn Kinder für ihre Bildung eine ganztägige Betreuung brauchen. Einfach zu urteilen, die Eltern wollten die Kinder bloß abschieden, halte ich schon fast für ein Vorurteil. Wir können nicht wissen, ob ein Kind nicht so eine intensive schulische Betreuung braucht und will, um sein Potenzial entfalten zu können.


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