Die kleine Hölle im Umzugskarton


Ich hasse Veränderungen. Die schnellen, die ruckartigen jedenfalls. Ich liebe die Kontinuität und das, was wächst und Schritt für Schritt vorwärts macht.

Und jetzt steht wieder einmal eine private Übersiedlung an. Mein Mietvertrag läuft nach zehn Jahren ab. Meine Freundin und ich möchten eine neue, gemeinsame Wohnung. Eine Wohnung ist gefunden, ein Mietvertragsentwurf samt Zusage von Eigentümer und Hausverwaltung liegen vor, einen Termin für Vertragsunterzeichnung und Schlüsselübergabe gibt es auch schon.

Also werde ich ab 1. Juni damit beschäftigt sein, meinen Hauptwohnsitz in eine nagelneue Maisonette in einer anderen Wiener Vorstadt zu verlegen. Dachgeschoß, zwei Etagen, kleine Loggia/Terrasse. Nicht besonders groß für zwei, aber die Lage war uns wichtig, und mehr Wohnraum in den Bezirken Eins bis Neun können wir uns halt nicht leisten.

Jetzt kommt die Übersiedlung – die gefürchtete Veränderung, die ruckartige. Hunderte Kleinigkeiten und Detailfragen, die mir nächtelang den Schlaf rauben werden. Welche Umzugsfirma, welcher Termin, wieviele Kartons? Telefon, Kabelfernsehen, Satellitenfernsehen, Internet, elektrischer Strom, Haushaltsversicherungen, welche Verträge kündigen wir, welche können wir auf den neuen Haushalt übertragen, welche müssen wir neu schließen? Möbel, Einrichtungsgegenstände und Hausrat werden ein echtes Problem werden. Die neue Wohnung liegt in einem ausgebauten Dachgeschoß, also sind Dachschrägen zu berücksichtigen, und das schränkt die für hohe Kästen geeigneten Aufstellflächen deutlich ein. Wir werden mehr Kommoden, Truhen und Laden brauchen. Und wir haben natürlich zu viele Teller, Gläser, Töpfe, Pfannen und Küchenbesteck. Wer trennt sich von welchen Sachen? Wie werden wird die Überschüsse los? Verkaufen, verschenken, wegwerfen? Brauchen wir die Sperrmüllabfuhr? Und dann wäre da natürlich noch die Frage der Räumung meiner jetzigen Wohnung. Werde ich sie ausmalen lassen, wie es im Mietvertrag steht, oder riskiere ich einen Rechtsstreit? Es gibt mehrere Verbesserungen, die ich gemacht habe. Kriege ich dafür eine Ablöse und von wem? Bekomme ich meine Kaution anstandslos zurück, oder wird die Vermieterin Spompanadeln  machen?

Und all das in ein, zwei, drei Monaten! Ich bräuchte – neben ein paar Möbelpackern – einen Übersiedlungsorganisator, einen Verkaufsagenten, einen Entsorgungsbeauftragten und vielleicht am besten gleich auch noch einen Rechtsanwalt, einen mit allen Wassern gewaschenen Experten für Wohnrechtsfragen (nur für alle Fälle).

Dann könnte ich (vielleicht) in den nächsten Wochen und Monaten ruhig schlafen. Aber das kann ich mir nicht leisten. Also werde ich mir selber einen Weg durch die diese kleine, gemeine Hölle voller Fußangeln suchen müssen.

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Published in: on 19. April 2015 at 19:10  Schreibe einen Kommentar  
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